Google Jobs

Wie Google Jobs die Recruiting-Welt verändern wird

Bisher spielen Job-Portale, Business-Netzwerke und auch Social Netzworks eine entscheidende Rolle, wenn es um die Suche nach geeignetem Fachpersonal geht. Insbesondere Digital Natives sind im Vergleich zur Nachfrage sehr rar und müssen besonders umgarnt werden.

Seit Mai 2017 testet die größte Suchmaschine der Welt ein neues Feature. Unter dem Namen „Google Jobs“ testet der Suchgigant mit ausgewählten Partnern und plant den Job-Markt zu revolutionieren. In welchem Umfang dies geschieht und welche Evolutionsstufen notwendig sind, ist heute noch nicht klar. Der Blick in die Vergangenheit lässt aber durchaus Analogien mit anderen Google-Diensten feststellen, sodass verschiedene Szenarien denkbar werden.

Was ist Google Jobs?

Bevor wir wild spekulieren und verschiedenen Szenarien besprechen, sollten wir uns Google Jobs zunächst einmal etwas genauer anschauen. Was erwartet uns und wie plant Google die Job-Welt zu revolutionieren? Wie wichtig Google Jobs ist, zeigt, dass der Google Chef selbst auf der Keynote im Jahr 2017 den neuen Dienst vorgestellt hat. Das komplette Video der Keynote (geht nicht nur um Google Jobs) kann gerne an dieser Stelle angeschaut werden.

Google Jobs wird eine eigenständige Suchoption, wie es sie heute bereits für Bilder, Videos oder beispielsweise das Thema Shopping gibt. Also praktisch ein eigenständiges Produkt, das aber wie die anderen Bereiche auch in die klassische Suche integriert wird. Dieser Schritt macht Sinn, da bereits heute zahlreiche Suchen nach Jobs via der klassischen Google-Suche umgesetzt werden.

Wie funktioniert Google Jobs heute?

Der Google Job Bot arbeitet im Grunde genau die der klassischen Suchmaschinenbot. Er sucht und indexiert alle Jobs, die er im Netz finden kann. Seit den ersten Tests im Jahr 2017 setzt Google zusätzlich auf ausgewählte Partner wie beispielsweise Monster, Facebook oder LinkedIn. Diese Aggregatoren erhalten einen Zugriff bei Google und können via Schnittstelle die Jobs bei Google direkt in den Index bekommen.

Durch die Google Ontologien wird Google die Job-Treffer bereits im Vorfeld der Suche praktisch genau verifizieren und individuell die Job-Anzeigen auf den Nutzer abstimmen. Das führt letztlich dazu, dass ein Job-Suchender genau die Stellen angezeigt bekommt, die zu seinem Nutzerprofil passen. Im besten Fall handelt es sich dann nicht nur um jene Stellen, die er bisher im Fokus hatte, sondern werden ihm auch jene Stellen angezeigt, die ansonsten zu seinem Profil passen könnten. Künftig wird der Algorithmus auch verstärkt durch das Thema KI (Künstliche Intelligenz) eine zunehmende Rolle einnehmen und die Suchergebnisse noch besser auf den Nutzer abstimmen. Neben verschiedenen weiteren Filterfunktionen, die dem Nutzer zur Verfügung stehen, wird der lernende Algorithmus mit der Zeit immer besser und pass genauere Stellen anzeigen.

Eine weitere Option ist, interessante Stellen abzuspeichern oder per E-Mail Benachrichtigungen zu erhalten, sobald neue passende Jobs aufgelistet sind. In vielen anderen Jobportalen gibt es diese Funktion auch und durch das zentrale Listing wird die Funktion für Bewerber noch relevanter. Auch eine direkte Bewerbungsfunktion ist in Google for Jobs verfügbar, sodass der Bewerbungsprozess direkt auch über die Google-Plattform erfolgen kann. Wie das in Deutschland und Europa mit dem Datenschutz in Einklang gebracht wird, bleibt abzuwarten. Aber es wird eine Lösung geben, so viel ist sicher. 

Google Jobs – Szenario 1

Google wird den Job-Markt langsam verändern. Im ersten Schritt braucht Google die Partner, um das Stellenpotenzial möglichst transparent darstellen zu können. Mit zunehmender Akzeptanz ist es dann denkbar, dass Google den Schritt geht, den Nutzer von Google Shopping (früher Google Base) erlebt haben. Google Shopping war zunächst für alle Shopbetreiber kostenlos und ein extremer Zugewinn, da dieser Kanal den Shopbetreibern tolle Margen beschwerte. Seit 2012 ist Google Shopping nicht mehr kostenlos und in Google Ads (früher Google Adwords) integriert worden. Google Shopping ist heute immer noch ein sehr wichtiger Vertriebs- und Werbekanal für Shopbetreiber – auch wenn es nicht mehr kostenlos ist.

Ein ähnliches Szenario ist durchaus bei Google Jobs denkbar. Google könnte den neuen Dienst zunächst sukzessive etablieren und durch weitere Modifikationen später auch kostenpflichtig gestalten. Aufgrund der Machtverhältnisse wären die Anbieter von Stellenportalen gezwungen, für ihre Stellen dann einen Obulus an Google zu bezahlen. Aufgrund der extremen Reichweite, die bei Google für die passgenaue Stellenbesetzung sorgt, würde sich ein kostenpflichtiger Eintrag für die Stellenbörsen dennoch lohnen. Denn die Reichweite auf der eigenen Seite dürfte nach und nach schwinden. Und ähnlich wie Shopbetreiber einen Zugang zum Merchant-Center bei Google erhalten, könnten Jobportale oder Unternehmen, die Jobvakanzen anbieten, ebenfalls über einen separaten Zugang auf den Google Job Dienst zugreifen. Wie sich der Markt der Stellenbörsen dann verändern wird, scheint in diesem Szenario klar zu sein. Es wird nur noch sehr wenige Stellenbörsen geben, die wie Xing, LinkedIn noch weitere Funktionen und Angebote anbieten. Reine Stellenbörsen dürften es auf Dauer schwer habe. Schritt für Schritt würde der Bewerbungsprozess an das Google-Ökosystem angepasst und umgesetzt werden.

Google Jobs – Szenario 2

Google wird mit dem offiziell weltweiten Rollout direkt die Stellensuche „Google Jobs“ kostenpflichtig machen. Bereits heute sucht ein Großteil der Jobsuchenden über Google. Sollte Google diesen Schritt gehen, der eher als unwahrscheinlicher gilt, würde ein Machtkampf mit den Stellenbörsen losgehen. In Szenario 1 wäre es zunächst ein miteinander. Hier würde Google aggressiv in den Markt einwirken und aufgrund der enormen Reichweite der Suchmaschine die Angebote sehr schnell platzieren und Reichweite aufbauen können. Google würde den Bewerberprozess komplett in das eigene Angebot integrieren können und mögliche Informationen / Daten direkt und automatisch einfließen lassen. Datenschutz und wie das umgesetzt werden könnte, lassen wir an dieser Stelle mal außen vor. In diesem Szenario würde es aus unserer Sicht für Google etwas schwerer, da große Stellenbörsen wie Stepstone oder Indeed schon noch eine große Marktstellung bei uns in Deutschland haben.

Google Jobs – Szenario 3

Gut möglich ist auch, dass Google seinen neuen Dienst Google Jobs in die Google-Werbewelt integrieren wird und somit Stellenbörsen wie Indeed und Stepstone auch in dieser Hinsicht Konkurrenz machen könnte. Die extreme Reichweite, die Möglichkeit nicht nur auf Keywords, sondern auch auf Re-Targeting-Optionen zurückgreifen zu können, lassen ein solches Szenario als recht realistisch erscheinen. Im ersten Schritt könnte Google die Werbekonzeption nur seinen Partnern (in dem Fall Unternehmen oder Stellenportalen) anbieten, die über eine Art Merchant-Center für Jobs dann die Werbung einbuchen könnten. Da Google nicht nur über das eigene Inventar verfügt, sondern auch mit Youtube (Videos) oder Dritte Partner  (Adsense-Netzwerk), könnte auch dieses Szenario durchaus eintreffen.

Wie verändert Google Jobs die Arbeit für Unternehmen?

Google Jobs wird letztlich dazu führen, dass sich die Qualität an Bewerbern verbessern sollte. Unternehmen werden zwar auf der einen Seite bessere Bewerbungsprofile (best Case) erhalten. Der Job-Markt als solcher wird sich nicht verändern und wir werden es weiter mit einem Arbeitnehmermarkt zu tun haben. Weitere Recruiting-Werkzeuge wie Active Sourcing, SEO-Recruiting oder auch Social Recruiting werden weiterhin relevant sein. Eine wesentliche Veränderung wird zudem sein, dass Unternehmen sich selbst verändern müssen und mehr und mehr auch für den eigenen Brand etwas tun müssen. Dazu sollten die unterschiedlichen Kanäle, insbesondere auch die Social Networks, verstärkt eingesetzt werden.

Werden Personalberater überflüssig?

Nein, genauso wenig werden Personalberater überflüssig, wie die übrigen Recruiting-Werkzeuge, ebenfalls nicht überflüssig werden. Im Gegenteil. Der Personalberater wird an Wichtigkeit gewinnen, wenngleich sich seine Position verändern wird. Bereits heute stellen sich immer mehr Personalberatungsagenturen breiter auf und holen sich Spezialisten aus dem Online-Marketing ins Haus. Die breitere Darstellung und Bearbeitung der Jobvakanzen wird mehr Know How und Komplexität in den Alltag einer Personalberatung bringen. Google Jobs wird helfen die Qualität insgesamt zu verbessern und noch effizienter und schneller arbeiten zu können. Geschwindigkeit ist heute schon ein wichtiges Kriterium. Wer den Kampf um Fachpersonal gewinnen will, muss schnell sein – schneller als die Konkurrenz.

Fazit

Egal welches Szenario letztlich eintreffen wird. Google wird die Job-Welt verändern. Nicht nur Jobsuchende werden davon profitieren, auch die Unternehmen selbst. Google wird zum zentralen Anlaufpunkt für Job-Suchende. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wird also der Suchtraffic für Jobs weiter zunehmen und daher wird auch das Thema Recruiting-SEO ebenfalls an Wichtigkeit gewinnen. Das Thema Content und SEO in Zusammenhang mit Job-Vakanzen spielt bei ReSus Consult bereits heute eine wichtige Rolle. Genauso wie die Beratung und Unterstützung in allen weiteren relevanten Recruiting-Kanälen. Wir setzen nicht nur selbst auf diese Werkzeuge, sondern können Unternehmen auch dahingehend passgenau beraten und unterstützen.

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